Corona Newsletter

Corona trotzen II, 173

Corona trotzen II, 173 / Mittwoch, 5. Mai 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Bereits der 5. Mai – es wird Zeit für das erste Maigedicht. Wieder mal Erich Kästner aus „Die 13 Monate“ mit der dazugehörenden Zeichnung Celestino Piattis. Nachdem ich über Kästners Aprilgedicht ziemlich gelästert hatte, heute eines, dessen leichte Melancholie mir wesentlich sympathischer ist. Erich Kästner, Der Mai Im Galarock des heiteren Verschwenders, ein Blumenzepter in der schmalen Hand, fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders, aus seiner Kutsche grüßend, über Land. Es überblüht sich, er braucht nur zu winken. Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain. Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken. Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein. Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten. Die Birken machen einen grünen Knicks. Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten, das Scherzo aus der Symphonie des Glücks. Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle. Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei. Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle. O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai! Melancholie und Freude sind wohl Schwestern. Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee. Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern. Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh. Er nickt uns zu und ruft: „Ich komm ja wieder!“ Aus Himmelblau wird langsam Abendgold. Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder. Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt. Gott segne Sie. Und bis morgen, Ihr Florian Schuller

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Corona trotzen II, 172

Corona trotzen II, 172 / Dienstag, 4. Mai 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Vor genau einem Jahr ging der letzte Newsletter „Corona trotzen 42“ hinaus. Dass es dann der letzte nur der ersten Serie werden würde, und ab 1. November 2020 „Corona trotzen II“ losging, damit hat im Frühjahr 2020 wohl niemand gerechnet. Weil der 4. Mai der liturgische Gedenktag des heiligen Florian ist, den ich sehr verehre, hatte ich ihn vergangenes Jahr gerne als krönenden Abschluss ins Spiel gebracht. Auch heute will ich an ihm nicht vorbeikommen. Allerdings lade ich Sie und Euch ein, diesmal auf Kirche und Stift zu schauen, die – als Begräbnis- und Gedenkort in der Nähe von Linz – seinen Namen tragen.

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Corona trotzen II, 171

Corona trotzen II, 171 / Montag, 3. Mai 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Heute erinnert Kardinal Ravasi an eine orthodoxe Nonne, Mutter Marija, und zwar mit Zeilen aus deren Tagebuch „Pilgerweg einer Nonne“. 1891 im lettischen Riga geboren, begrüßte sie zunächst die Oktoberrevolution 1917, ging dann nach Paris ins Exil und gehörte dort zu den intellektuellen Zirkeln der Zwischenkriegszeit. Weil sie jüdischen Kindern geholfen hatte, außer Landes zu fliehen, wurde sie verhaftet und im Frauen-KZ Ravensbrück am 31. März 1945 ermordet.

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Corona trotzen II, 170

Corona trotzen II, 170 / Sonntag, 2. Mai 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Für den 2. Mai geht Kardinal Ravasi sowohl vom alttestamentlichen Buch des Propheten Jesaja aus (Jes 5, 20: „Lüge heißt, das Gute schlecht und das Schlechte gut heißen“), wie vom italienischen Dichter Carlo Goldoni (1707 – 1793), der meinte, Lügen seien von Natur aus so fruchtbar, dass eine einzige Hunderte produzieren könne, und zitiert deshalb eine Weisheit der Sioux-Indianer, die ihm in einem Jahreskalender aufgefallen ist:

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Corona trotzen II, 169

Corona trotzen II, 169 / Samstag, 1. Mai 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Den unfassbar belesenen und gebildeten Kardinal Gianfranco Ravasi, Chef des Päpstlichen Kulturrats, habe ich Ihnen und Euch schon mal mit „Corona trotzen II, 53“ vom 23. Dezember 2020 vorgestellt. Dieser Kardinal hat 2006 auch ein „Breviario Laico“, ein „Laienbrevier“ veröffentlicht mit 366 Gedanken für jeden Tag des Jahres. Er bringt dafür jeweils zunächst ein Zitat und dann seine kurzen Überlegungen dazu. Jetzt im Mai will ich immer wieder das entsprechende Tageszitat bringen (natürlich manchmal mit ungenauer Rückübersetzung aus dem Italienischen), manchmal mit, manchmal ohne die weiterführenden Gedanken des Kardinals.

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Corona trotzen II, 168

Corona trotzen II, 168 / Freitag, 30. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Was kommt nach dem heutigen Abend? Die Tradition sagt: die Walburgisnacht. Also die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, in der die höllischen Mächte unterwegs sind. Das hat mich an einen Artikel von Hans Conrad Zander erinnert, des schweizerischen Ex-Dominikaners, Stern-Journalisten und Sachbuchautors, dessen scharf-klare Texte ich sehr schätze.

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Corona trotzen II, 167

Corona trotzen II, 167 /Donnerstag, 29. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Heute kommt wieder eine Dichterin zu Wort, die österreichische Lyriker Christine Busta, am 23. April 1915 in Wien geboren und dort am 3. Dezember 1987 gestorben. Sie hat zurückgezogen gelebt, in eher traditionsverhafteten Formen geschrieben und war bekennende katholische Christin – alles Indizien, die dazu führen, dass sie immer noch unterschätzt wird. Doch ihr lyrisches Werk, in elf Bänden vom Salzburger Otto Müller Verlag herausgebracht, verdient genaueres Hinsehen. Heute ein Text aus den letzten Lebensjahren, den man durchaus als österlich bezeichnen kann.

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Corona trotzen II, 166

Corona trotzen II, 166 / Mittwoch, 28. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Nach Kaiser Marc Aurel und Petrus Canisius heute nochmals Antonio Gramsci. Also in einer Woche drei der heutzutage berüchtigten „Alten Weißen Männer“. Ich hoffe, Sie halten/Ihr haltet es aus. Von Gramsci will ich Gedanken bringen, die mir bei der Durchsicht seiner Texte noch aufgefallen sind, und die es mir wert schienen, weitergegeben zu werden – in unsere heutige Situation hinein.

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Corona trotzen II, 165

Corona trotzen II, 165 / Dienstag, 27. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Vom 8. Mai 1521 stammt das berühmte Wormser Edikt, mit dem Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Worms die Reichsacht über Martin Luther verhängte und dessen Schriften verbot. An dieses Ereignis vor 500 Jahren wird in den kommenden Tagen öffentlich und intensiv Seiten gedacht werden. Auch wenn Martin Luther dort nie die berühmten Worte sprach „Hier stehe ich und kann nicht anders“, so gilt es doch als einer der entscheidenden Schritte hinein in die Spaltung der Kirche des Westens. So hat man sich jedenfalls die Szene vorgestellt:

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Corona trotzen II, 164

Corona trotzen II, 164 / Montag, 26. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Heute genau vor 1.900 Jahren, also am 26. April 121, wurde in Rom einer geboren, dessen Gedanken und Reflexionen zeitlos gültig geblieben sind: Marcus Aurelius Antoninus. Mit 40 Jahren wurde er Römischer Kaiser in der Nachfolge großer Vorgänger: Traian (53 – 117), Hadrian (76 – 138) und Antoninus Pius (86 – 161). Es waren die Jahrzehnte der größten Ausdehnung des Römischen Reiches, aber auch bereits schwerer Abwehrkämpfe. Diesem Kaiser Marc Aurel war schon vor einem Jahr ein Newsletter gewidmet; wer nachschauen möchte und die Texte archiviert hat: Corona trotzen 37 vom 28. April 2020. Aber das heutige Jubiläum ist schon etwas Besonderes. Deshalb soll er heute an seinem Geburtstag nochmals aus der Erinnerung geholt werden.

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