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Corona trotzen 2

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger!

Haben Sie es schon wahrgenommen? Heute genau in neun Monaten ist Weihnachten. Schon wieder. Und heute in neun Monaten haben wir sogar den Heiligen Abend bereits hinter uns. Keiner von uns weiß, wie die Welt, unsere Gesellschaft, die Kirche dann dastehen werden, nach (oder: noch immer in) der Coronakrise. Und wie es uns Einzelnen gehen wird, was wir alles hinter uns haben werden.

Da tut es gut, sich auf den liturgischen Gedenktag des 25. März zu besinnen: „Hochfest Verkündigung des Herrn“ heißt er, neun Monate vor Jesu Geburt.  Die Verkündigung durch den Engel Gabriel an Maria gehört zu jenen biblischen Geschichten, die am häufigsten gemalt worden sind (sogar noch häufiger als die Kreuzigungsszene). Eine meiner Lieblingsdarstelllungen der Verkündigung hat in den Jahren zwischen 1535 bis 1539 der venezianische Renaissancekünstler Lorenzo Lotto gemalt. Klicken Sie doch mal auf die Datei zu diesem Bild und sehen es sich eine Zeit lang in aller Ruhe an. Und erst dann sollten Sie hier weiterlesen. –

Ist Ihnen was aufgefallen? Normalerweise kommt der Verkündigungsengel Gabriel von links auf Maria zu, entsprechend unserer Leserichtung von links nach rechts. Hier kommt er nicht nur von rechts, sondern sogar noch von hinten, er überrascht Maria doppelt. In ihrem bürgerlich eingerichteten Schlafzimmer mit den praktischen Alltagsgegenständen hinten an der Wand bricht er gleichsam ein, die Haare wehen noch von schnellen Flug, und zugleich wirft dieses Geistwesen, was ja ein Engel naturgemäß ist, mit seinem Körper einen realen Schatten auf den einfachen Fußboden. Und der Gesichtsausdruck von Maria? „Also das überrascht mich vollkommen. Da muss ich erst mal darüber nachdenken.“ 

Aber das Tollste an diesem Bild ist schon die Katze. Typisch, wie sie ihren Rücken krümmt. Sie jagt nur noch davon. Ausdruck puren Schreckens. Man kann die Katze auch hochtheologisch als Symbol des Bösen deuten, das hier durch den Einbruch des Göttlichen vertrieben wird. Aber irgendwie passt die Katze voller Ängsten besser in unsere Corona-Situation:

Das sind wir in diesen Wochen.

Die Aufgabe bestünde dann darin, nicht wie die Katze, sondern wir Maria zu reagieren: bei allem Schock, da denke ich jetzt mal nach. Und vielleicht wird mir dann auch so etwas wie eine Botschaft von oben klar…

Natürlich hätten wir auf unserer Pfarreiwallfahrt ins Heilige Land auch Nazareth besucht – jenen Ort, an dem vor 2026 Jahren jener Einbruch von oben ins normale Leben stattgefunden hat. (2026: Sie wissen schon, Jesus ist im Jahr 6. V.Chr. geboren, weil sich im Mittelalter ein Mönch bei den Jahreszahlen verrechnet hat. Er hatte eben noch keinen Kalender zur Hand, gedruckt oder digital.) Nehmen wir uns also Maria zum Vorbild, und nicht die Katze. Nazareth geschieht 2020 auch in Straßberg.

Gott segne Sie,
und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

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