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Corona trotzen 26

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde!

Ich beginn mit der traurigen Nachricht für die Menschen in Straßberg. Gestern am Freitagnachmittag um 14.00 Uhr haben wir Herrn Konrad Burr beerdigt; seinen 95. Geburtstag am 26. Oktober dieses Jahres hat er nun nicht mehr erlebt. Seit 1949 hat er hier gewohnt und gewirkt, bis 1987 war er der Schulleiter. Vor sieben Jahren hatten wir bereits seine Gattin Marianne begraben, mit der er 59 Jahre verheiratet war. Bleibend wird von ihm der Brunnen auf dem Kirchplatz, den er gestiftet hat, zeugen. Das Foto zeigt Herrn Burr bei dessen Einweihung am 2. Oktober 2013:

Wir alle sind ihm sehr zu Dank verpflichtet – die ehemaligen Schüler, unsere Grundschule, der TSV , der Obst-, Gartenbau- und Imkerverein, die Pfarrgemeinde. R.i.P.

Gegen Ende der Osteroktav, am Ostersamstag (heute! ist Ostersamstag; vor einer Woche, das war der Karsamstag, nicht der Ostersamstag – wehret der um sich greifenden unchristlichen Sprachverwirrung!!), heute also, wenn wir uns wieder auf die sonntägliche Eucharistiefeier einstimmen (gleich auf welche Art, an welchem Ort jeder teilnehmen wird), will ich Sie und Euch auf ein riesiges Glasfenster Erich Schicklings hinführen. Ich habe es schon einmal im Vorübergehen kurz gezeigt. Es handelt sich um die Kirche St. Konrad im Norden von Regensburg.

Der Turm mit dem Altarraum darunter stammt aus den 1930er Jahren, als die kleine Siedlung erstmals eine Kirche erhielt. In den 50er Jahren kam eine erste Erweiterung Richtung Westen und 1966 eine weitere mit fünf mächtigen Giebeln: zwei auf der Nordseite (siehe dazu das Bild), zwei entsprechende auf der Südseite, und dann die gesamte Westfront. Alle fünf Glasfenster wurden von Erich Schickling gestaltet, wobei nur das riesengroße, 13 m hohe Westfenster eine gegenständliche Darstellung erhielt, die uns heute interessiert:

Es trägt im gedruckten Kirchenführer den leider verfälschenden, weil einseitigen Titel „Abendmahl“.

Zwar stimmt: die Anordnung um den Tisch ist wie beim Letzten Abendmahl am Gründonnerstag. Christus in der Mitte, um ihn die zwölf Jünger, Johannes an Jesu Brust, und der, der rechts alleine sitzt, dürfte wohl Judas sein. Aber auf dem Tisch liegt ein Fisch, und kein Lamm; beim Abendmahl gab es jedoch garantiert keinen Fisch. Das stellt auch der Kirchenführer fest und verweist sogar auf die Stellen im Neuen Testament, bei denen Jesus mit den Jüngern einen Fisch isst: Lk 24, 42-43 und Joh 21, 13-14. Beides sind Berichte über Begegnungen mit dem Auferstandenen. Der heilige Augustinus formuliert das in seinem Kommentar zur angegebenen Stelle Joh 21, 13-14: „Der gebratene Fisch bedeutet Christus, der gelitten hat.“ Mit der lateinischen Prägnanz, die Augustinus auszeichnet: „piscis assus, Christus passus“. Man darf als theologische Konsequenz folgern: dargestellt ist die gegenseitige Durchdringung von Abendmahl und Auferstehungsbotschaft. Aber es geht noch weiter: nicht direkt in der Mitte der doppelt zu verstehenden Mahlgemeinschaft wie der Fisch, sondern deutlich links daneben steht ein Kelch und liegt Brot:

Klar, damit ist  jetztunser Gottesdienst, unsere Eucharistiefeier angesprochen. Dies wird noch überdeutlich betont, indem von der Seitenwunde Jesu am Kreuz Blut in den Kelch fließt: „Nehmet und trinket alle daraus. Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für Euch und für alle vergossen wird.“

Mit anderen Worten: dargestellt ist im Glasfenster die dreifache Identität der Mahlgemeinschaft mit Christus: erstens, die Einsetzung des sakramentalen Zeichens am Gründonnerstag, zweitens die Erfahrung des Auferstandenen, der mit den Jüngern als den berufenen Osterzeugen Mahl hält, und drittens unser Dienst des Wachhaltens seines Todes am Kreuz und seiner bleibenden Gegenwart in der Eucharistie: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Dieses dreifache Gedenken ist nun ausgespannt in die zwei großen Pole unseres Lebens und unseres Glaubens.

Unterhalb des Kreuzes, ganz klein und leicht zu übersehen der Totenkopf; die Schädelhöhe, Golgota, der Ort der Kreuzigung Jesu wurde ja seit dem Mittelalter in einer sehr weisen und glaubensklugen Legende auch als der Begräbnisort des ersten Menschen, Adams, festgehalten, der so Paulus im Römerbrief, durch den Tod des zweiten Adam, Christus, erlöst wird. Zwar windet sich die Schlange, Zeichen der Sünde, um den Totenkopf, aber ihre Kraft ist vorbei. Und über dem Kreuz leuchtet die Ostersonne:

Und um das Kreuz, den Baum des Lebens, winden sich frische, grüne Zweige:

Für mich als Priester ist nun besonders interessant: Der Altar steht ja im Osten, wie sich das anständigerweise seit ältester Zeit gehört, Richtung aufgehende Sonne, Richtung Ostern. Da St. Konrad wohl einer der ersten Kirchenneubauten der Diözese Regensburg nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil war, ist der Altar so angeordnet, dass der Priester zwar im Osten steht, aber zur Gemeinde, also nach Westen, sieht und spricht. Die Gemeinde, die sich zum Gottesdienst versammelt, hat das große Glasfenster im Rücken, sie sieht es gar nicht (erst beim Hinausgehen…). Der zelebrierende Priester jedoch hat es die ganze Zeit vor Augen. Eine unerhörte Herausforderung und gleichzeitig eine unerhörte Zusage für das, was er da tut in offiziellem Auftrag. Bei der Priesterweihe spricht der Bischof zum Weihekandidaten:  „Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“

Bei diesen Gedanken schweift mein Sinnen jetzt ab und geht hinüber zu unserer Pfarrkirche Heilig Kreuz. Wann werden wieder Menschen kommen können, damit wir gemeinsam jenen Auftrag erfüllen, der auf dem Regensburger Glasfenster so theologisch dicht formuliert wird? Wenn Sie morgen am Weißen Sonntag zumindest virtuell dabei sein wollen: Wir streamen den Gottesdienst wieder live; Beginn ist um 10.00 Uhr, und Sie können das Liedblatt sogar schon heute am Samstag in aller Ruhe herunterladen, bzw. ausdrucken. Zugang für das Livestreaming und das Liedblatt wie bisher über die Homepage der Pfarrei Heilig Kreuz Straßberg oder über den Blog www.schuller-florian.de/corona.

Gott segne Sie, und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

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