Corona Newsletter

Corona trotzen II, 04

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde!


So schaut unsere Straßberger Kirche aus, wenn ich vom Altar in sie hineinblicke. Da denke ich mir gleich lieber unsere treuen Gottesdienstteilnehmer dazu. Denn hoffentlich wird sie nie so leer sein, wenn Gottesdienst gefeiert wird. Kirche lebt nur, wenn Menschen in ihr leben.

Diese umgekehrte Blick ist mir sympathischer, vor allem, weil da ein Element ins Spiel kommt, für das ich unwahrscheinlich dankbar bin – unser neuer, mit einem Fußpedal versehener, deshalb absolut hygienischer Weihwasserspender.
Sie alle erleben es ja: beim Betreten einer Kirche findet man immer eine Desinfektionsflasche vor, genau wie bei uns – in dieser Corona-Pandemiezeit äußerst sinnvoll. Und genauso ist auch das Weihwasserbecken leer, ich kann mir nicht, wie ich es gewohnt bin, mit gesegnetem Wasser das Kreuz auf die Stirn zeichnen. Ich habe die Sorge, dass dadurch die Botschaft ausgesandt wird: Es ist wichtiger, Desinfektionsflüssigkeit zu nehmen als Weihwasser. Ohne es zu wollen, werten wir das eine gegen das andere ab, obwohl beide Elemente auf ganz verschiedenen Ebenen spielen. Wenn es dann wieder mal Weihwasser im Becken geben sollte, wird doch die allgemeine logische Überlegung lauten: „Das braucht´s nicht, ich habe mir ja zu Hause die Hände gewaschen.“ Ich weiß nicht, ob ich da übertreibe; diese Schlussfolgerung will niemand von uns, aber das Unterbewusstsein treibt mit uns auch seine eigenen Spielchen.

Unsere kirchlichen Schwierigkeiten, in Coronazeiten situationsangemessen, kreativ und theologisch klar zu handeln, reichen, um beim Beispiel des Wassers zu bleiben, von der Segnung der Palmbuschen am Palmsonntag und der Speisensegnung in der Osternacht bis zur Gräbersegnung vor ein paar Tagen.

Und wenn dann sogar ein Bischof, wie jüngst der Kärntner Josef Marketz, angesichts der Einschränkungen bei den Gräbersegnungen zu Allerheiligen und Allerseelen sagt, jedem Gläubigen sei klar, „dass nicht der Tropfen des Weihwassers das Mysterium dieser Feiertage ist, sondern das Gebet“, es werde sich somit gar nicht so viel ändern (KathPress vom 30.10. 2020), dann wundere ich mich nur noch, wie man als Bischof so plakativ daherreden kann. Denn was hier letztlich in Frage steht, ist eine typisch katholische Sicht der Wirklichkeit. Der amerikanische Theologe Andrew Greeley nennt sie „the Holy lurking in creation“/“Das Heilige verbirgt sich im Geschaffenen“. Und zwar in allem, was ist. Alles kann Zeichen, Symbol werden für Gott, das Geheimnis des Lebens. In seiner dichtesten Form nennen wir das „Sakrament“. Das reicht dann vom Wasser der Taufe über Brot und Wein bei der Heiligen Messe bis zu Salbungen und genauso auch zu Personen, nämlich zu solchen, die unsere Hilfe brauchen (und in denen wir laut Bibel Jesus selbst finden) oder den Heiligen.

Wenn wir während der Coronapandemie diese geistliche Grundstimmung verlieren – sehr schade. Deshalb heute nur noch zwei Bilder, die Herr Hans Fischer geschossen hat, vom Taufstein unserer Gemeinde. An dem passiert ja viel mit Wasser:

Vorne und hinten ein Kreuz: Und an den beiden Seiten jeweils ein Zitat aus dem Neuen Testament. Das eine stammt vom Schluss des Matthäusevangeliums mit dem Auftrag des auferstandenen Jesus an die Jünger, seine Gegenwart in der Welt zu bezeugen (Mt 28, 16-20):

Und das zweite auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Satz aus dem Ersten Korintherbrief (1 Kor 12, 13): „Durch den einen Geistwurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen.“  Beide Sätze haben viel mit dem zu tun, was man im weiten Sinn als Sakrament bezeichnen kann…

Gott segne Sie, und bis morgen,
Ihr Florian Schuller

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