Corona Newsletter

Corona trotzen II, 163

Corona trotzen II, 163 / Vierter Ostersonntag, 25. April 2021.

Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freude!

Wohl die meisten von Ihnen, von Euch werden sich an jene Kirche erinnern, in der sie als Kinder die Sonntagsgottesdienste mehr oder weniger freiwillig erlebt haben. So geht es auch dem Münchner Journalisten Carl Wilhelm Macke, der immer wieder mit seinen Impulsen auch diesen Newsletter bereichert (so jüngst mit dem Hinweis auf Antonio Gramsci). Geboren 1950, kümmert er sich mit riesigem Engagement im Verein „Journalisten helfen Journalisten“ um Berufskollegen weltweit, die wegen ihrer Arbeit unterdrückt oder verfolgt werden. Hier sieht man ihn im Innenhof des Castello von Ferrara, seinem zweiten heiß geliebten Wohnsitz neben München:

Im Cloppenburger urkatholischen Biotop aufgewachsen, kommt bei ihm immer wieder jene starke katholische Prägung durch, die sich trotz aller politischer, gesellschaftlicher, existentieller , kirchlicher Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte durchgehalten hat (und die er in seinem Erzählband „Der König der Sonntagnachmittage“ veröffentlichte). Vielleicht können auch Sie, könnt Ihr ähnliche Erinnerungen wachrufen, wie – als heutiger Sonntagsimpuls – das nachfolgende Gedicht Mackes:

Carl Wilhelm Macke, Die Kleine Kirche
Wer war noch einmal jener Mann in der letzten Reihe,
der mit dem gebeulten Hut
und im Winter einen roten Schal um die Schulter.
Erinnerst du dich an die alte Frau,
gebückt gehend, lange kniend,
im Gebet versunken, die Stille liebend.
An den Wänden Bilder vom Kreuzweg,
nicht schön, aber voller Geschichten.

Groß war sie nicht, meine Kirche,
genannt die „Kleine“.
Links und rechts die Beichtstühle.
Hier strandete das Elend der vergangenen Woche.

Man bat um Vergebung,
um weiter zu sündigen.
In dieser Kirche sang unser Nachbar das „Hosiannah“,
und bei geöffneten Türen sah man die Welt.

Zum Hintergrund dieses Gedichtes noch eine Erläuterung Mackes in einem persönlichen Brief an mich:

 

„Die Zerstörung dieser ‚kleinen Kirche‘, meiner Tauf- und Messdienerkirche, hat mich nachhaltig aufgewühlt. Nicht so sehr wegen ’nostalgischer Erinnerungen’, sondern auch wegen der damit erfolgten Verwundung des cloppenburger Stadtbildes. Die Händler, die Jesus nach der biblischen Erzählung aus dem Tempel vertrieben hat, haben hier den ganzen Tempel zerstört. Die Verantwortlichen der damaligen Gemeinde, allen voran ein sehr geschäftstüchtiger Pfarrer, haben das Grundstück dann an eine Bank verschachert, die dort ein grauenhaft eintöniges Bankgebäude hingesetzt haben – das heute aber auch längst wieder von einer Immobilienfirma genutzt wird. Kapitalistische Stadtzerstörung wie im Bilderbuch. Eine Art ´urbaner Missbrauch…´“

Ja, es stimmt, der „Kitsch der Kindheit“ bleibt wichtig für ein ganzes Leben. Das formuliert ein zweites Gedicht C.W. Mackes:

Carl Wilhelm, Macke, Lasst mir den Kitsch meiner Kindheit

Also schon wieder einmal
einen Sommer mit Träumen
von einem anderen Sommer verbracht.

Am Morgen öffneten wir die Tür,
blickten auf einen Garten,
nichts Besonderes, aber er gehörte uns.

In der Ferne Kirchenglocken,
lasst mir den Kitsch meiner Kindheit.
Was uns der Tag schenken würde,
wussten wir nicht, liefen ihm entgegen.

Später ließ ich nicht ab
von dieser Erinnerung an hellere Zeiten,
blickte zurück auf eine Welt,
die anders war als die damals erhoffte.

Gott segne Sie. Und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

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