Corona Newsletter

Corona trotzen II, 165

Corona trotzen II, 165 / Dienstag, 27. April 2021.

Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde!

Vom 8. Mai 1521 stammt das berühmte Wormser Edikt, mit dem Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Worms die Reichsacht über Martin Luther verhängte und dessen Schriften verbot. An dieses Ereignis vor 500 Jahren wird in den kommenden Tagen öffentlich und intensiv Seiten gedacht werden. Auch wenn Martin Luther dort nie die berühmten Worte sprach „Hier stehe ich und kann nicht anders“, so gilt es doch als einer der entscheidenden Schritte hinein in die Spaltung der Kirche des Westens. So hat man sich jedenfalls die Szene vorgestellt:

Doch an jenem 8. Mai 1521 passierte noch etwas Anderes, was für die weitere Kirchengeschichte von großer Bedeutung war: in der aufstrebenden geldrischen Stadt Nijmwegen wurde der Kaufmannsfamilie Kanijs der Sohn Peter geboren. Und zwei Wochen später hat im gleichen Monat Mai die Kanonenkugel von Belagerern der spanischen Festung Pamplona einem von deren Verteidigern ein Knie zertrümmert. Aus diesem baskischen Soldaten Inigo wurde im Lauf der Genesung der spätere Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola:

Und der am 8. Mai in Nijmwegen geborene Peter formte später seinen Namen um in „Petrus Canisius“. Als sechstes Mitglied trat er in den Jesuitenorden ein, und als erster aus den deutschen Landen. Am 21. Dezember 1597 ist er 76-jährig im schweizerischen Fribourg gestorben. Weil sein liturgischer Gedenktag heute am 27. April gefeiert wird, will ich auch liturgisch korrekt heute schon an ihn erinnern, und nicht erst zum 500. Geburtstag am 8. Mai.

Über ihn gäbe es viel zu sagen; denn ohne ihn hätte die innerkatholische Reform nach den Wirren der ersten Jahrzehnte nicht den Erfolg gezeitigt, den sie dann doch gehabt hat. Im ökumenischen Disput war er klar bei der – wie man damals sagte – „alten Kirche“, aber ohne die damals auf allen Seiten geübte Schärfe und verletzende Reden. Andererseits bleibt ein riesiger Makel, dass er wie viele damals vom unbegreiflichen Wahn besessen war, gegen die „Hexensekte“ vorgehen zu sollen; er hat zwar selber an keiner Verurteilung von Frauen teilgenommen, aber durch seine Worte immer wieder den Boden bereitet für diese entsetzliche (überkonfessionelle) Verrohung der Gesellschaft. Sein Ordensbruder der jüngeren Generation, der Jesuit Friedrich Spee (1591 – 1635), hat da als Beichtvater von zum Tod verurteilten Frauen in Abgründe blicken müssen, die ihn zum leidenschaftlichen Kämpfer gegen jenen Massenwahn werden ließen.

Nur vier Zitate will ich bringen, um trotz dieser düsteren Seite bei Ihnen und Euch um Sympathie für Petrus Canisius als großen „Apostel Deutschlands“ zu werben.

1.
Das erste zeigt die brutal-nüchterne Bestandsaufnahme, wie sich damals die (katholische) Kirche in den deutschen Landen präsentierte (vielleicht ein kleines Trostpflaster, wenn wir uns heute Sorgen machen):

„Allgemein gesprochen möchte ich sagen, dass man unter den heutigen Deutschen vergebens nach praktischem Interesse an der Religion sucht. Der Gottesdienst der Katholiken ist so ziemlich auf das Halten einer ohne alle Begeisterung vorgetragenen Predigt an Festtagen beschränkt. Was vom Fasten in der Fastenzeit übrig ist, ist bloß der Name. Denn niemand fastet. Ob und wie selten besucht ein Mann die Kirche und die heilige Messe oder bekundet durch irgendein äußeres Zeichen, dass er noch Freude hat am alten Glauben! Die Lage ist danach, einen, der sie ernstlich erwägt, das Herz still stehen zu lassen. die Häresie kann weder durch Gewalt noch durch Reform überwunden werden, und wir sind beim besten Willen machtlos, den verloren gegangenen Glauben wiederherzustellen, weil es zu wenig Priester gibt oder in Wahrheit keine.“

2.
Gleichzeitig, wie schon gesagt, stand er treu zur alten Kirche und war sich klar, dass die Verbindung mit Papst und Rom fundamental wichtig war:

„Andere lästern, verachten, verfolgen die römische Kirche und verwünschen sie als das Reich des Antichrists. Ich aber bekenne mich als ihren Bürger. Von ihrem Spruch weiche ich auch nicht einen Finger breit ab. Um für sie Zeugnis abzulegen, will ich gerne mein Blut vergießen. Mit Hieronymus sage ich frei heraus: ‚Wer zum Stuhle Petri hält, der ist mein Mann.’“

3.
Als zentrale Herausforderung sah er die Bildung an: die religiöse, aber nicht nur die, sondern die allgemeine Hebung des Bildungsniveaus vor allem junger Menschen. Er hielt in vielen Städten Deutschlands fulminant wirkende Predigten (unter anderem als Domprediger in Augsburg) und war an der Gründung von mehr als 20 Schulen und Hochschulen im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ beteiligt  Als Beispiel sei nur ein Modell der „Hohen Schule“ zu Ingolstadt gezeigt, wo er als Professor und Rektor wirkte:

Extrem erfolgreich war er mit der Herausgabe von Lehrbüchern zum christlichen Glauben, und zwar in unterschiedlicher Form für unterschiedliche Zielgruppen. Noch zu seinen Lebzeiten wurden diese Katechismen Bestseller mit mehr als 200 Auflagen. Entsprechend lautete eine seiner Maximen:

„Lieber ein Jesuitenkolleg ohne Kirche als ein Jesuitenkolleg ohne eigene Bücherei.“

4.
Und angetrieben hat ihn ein riesiges Gottvertrauen:

„Ich weiß oft nicht, was für ein Wind mich vorantreibt, wohin mein Schifflein segelt, sie ich festsitze und wie ich meinen Kurs richtig steuere. Ich vertraue auf Gott, meinen Herrn, der mir alles zum Besten schickt. Des Ewigen, nicht des Zeitlichen wegen bin ich erschaffen und erlöst worden.“

Gott segne Sie. Und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code