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Corona trotzen II, 166

Corona trotzen II, 166 / Mittwoch, 28. April 2021.

Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde!

Nach Kaiser Marc Aurel und Petrus Canisius heute nochmals Antonio Gramsci. Also in einer Woche drei der heutzutage berüchtigten „Alten Weißen Männer“. Ich hoffe, Sie halten/Ihr haltet es aus. Von Gramsci will ich Gedanken bringen, die mir bei der Durchsicht seiner Texte noch aufgefallen sind, und die es mir wert schienen, weitergegeben zu werden – in unsere heutige Situation hinein.

1         Bleibt unser Ich immer das gleiche?

Gramsci dachte darüber in einem späten Brief an seine Schwägerin Tanja Schucht nach, als ihm im Gefängnis die Zähne ausfielen und sich seine Wirbel durch tuberkulöse Entzündungen langsam auflösten; er dachte dabei an einen Schiffbrüchigen, den die Umstände so verformten, dass er ein Menschenfresser werde:

„Aber sind das wirklich dieselben Menschen? Gibt es ein Ich jenseits der Umstände? Ein normaler Mensch kann es sich nicht vorstellen, einen anderen zu essen, ein Schiffbrüchiger nach einiger Zeit sehr wohl, und zwischen den beiden Zeitpunkten hat sich ein Prozess der ‚molekularen’ Transformation vollzogen; zu sagen, dass es sich noch um dieselben Menschen handelt, ist womöglich bloße Konvention.“

2.        Eine Warnung an die Vielredner

„Der Irrtum der Intellektuellen besteht in ihrem Glauben, dass es möglich sei, sich Wissen anzueignen, ohne es zu verstehen und darüber hinaus, ohne es zu fühlen und sich dafür zu begeistern.“

3.        Ob man originell sein muss

„Es ist zu einfach, originell zu sein, wenn du dich nur darauf beschränkst, einfach das Gegenteil von dem zu tun, was andere tun. Dieses Verhalten ist lediglich mechanisch. Genauso, wie es nicht unbedingt bedeutet, dass du ein Kämpfer bist, wenn du gegen alles bist, bedeutet es auch nicht automatisch, dass du einzigartig bist, wenn du das Gegenteil von dem tust, was alle anderen tun.”

4.        Es gibt Lasten, die es nicht braucht

Die trägt jemand mit sich herum, und es nützt weder ihm noch anderen:

Gleichgültigkeit ist das tote Gewicht der Geschichte.

 

5.        Einladung zu Gelassenheit

Zum Schluss noch ein Vorschlag für jene, die sich in den Social Media tummeln, und da entweder viel einstecken müssen oder auch austeilen:

Wenn dir ein Feind Schaden zufügt und du dich darüber beklagst, dann bist du dumm, denn es war genau die Absicht deines Feindes, dir Schaden zuzufügen.

Gott segne Sie. Und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

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