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Corona trotzen II, 178

Corona trotzen II, 178 / Montag, 10. Mai 2021.

Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde!

Vor ein paar Tagen, am 28. April, starb in Florida 91-jährig Michael Collins, der dritte aus der Crew von Apollo 11 – hier auf dem Foto in der Mitte. Links Neil Armstrong, der erste Mensch, der am 21. Juli 1969 den Mond betrat, mit dem inzwischen legendären Ausspruch „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“, und rechts der zweite Mann auf dem Mond, Buzz Aldrin.

Während Armstrong und Aldrin taten, was man so tut, wenn Menschen sich einen Traum erfüllen können und erstmals absolutes Neuland betreten, war Michael Collins in der Kommandokapsel geblieben und dreht Warterunden um den Mond. Ganz nahe dran am Ziel aller Sehnsüchte; das ihm verschlossen bleibt. Beispiel einer menschlichen Ursituation, wohl den meisten von uns wohlbekannt. Der Nachruf von Holger Gertz in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ, 1./2./3. Mai 2021) bringt sowohl diese schwierige Herausforderung wunderbar auf den Punkt, wie auch die Souveränität von Collins, damit umzugehen. Deshalb nachfolgend die wichtigsten Sätze dieses Nachrufs.

Die Welt sah zu, alles kam live, 600 Millionen Zuschauer, nur Collins hatte, wenn er auf der Route seiner vielen Warteschleifen grad hinterm Mond kreiste, zu niemandem Kontakt. Das Funkloch, durch das er schwebte, war das wahrhaftige Tal der Ahnungslosen, the dark side of the moon. Die Welt sah die Landung, Collins sah nichts… Was er wohl dachte? Michael Collins hat darüber gesprochen, gleich als er mit seiner Kapsel hinterm Mond wieder hervorkam und wieder Kontakt hatte zur Bodenstation in Houston, die Gespräche sind protokolliert.

Houston: „Wir hören dich deutlich und laut.“
Collins: „Höre euch ebenfalls deutlich und laut. Wie läuft´s?“
Houston: „Bestens. Die Aktion verläuft wunderbar. Ich glaube, jetzt hissen sie gerade die Flagge.“
Collins: „Großartig.“
Houston: „Ich glaube, du bist so ziemlich der einzige Mensch, der das alles nicht im Fernsehen sieht.“
Collins: „Schon in Ordnung. Macht mir nichts aus. (Pause.) Wie sind denn die TV-Bilder?“
Houston: „Oh, es ist wunderschön, Mike. Wirklich.“

Schon in Ordnung? Macht mir nichts aus? Muss man sich vorstellen. Michael Collins, 1930 als Sohn eines amerikanischen Armeeoffiziers geboren, Student an der Militärakademie West Point, Pilot bei der Air Force, war darauf gedrillt, sich im Griff zu haben. Wer sich nicht im Griff hat, hält den Mond nicht aus. Es gibt viele Geschichten: Neil Armstrong, erster Mann auf dem Mond, ging der eigene Nachruhm auf den Geist. Die Mutter von Buzz Aldrin, zweiter Mann auf dem Mond, hatte sich schon vor dem Start der Rakete umgebracht, sie war depressiv, und sie hatte Angst vor dem Trubel, der nach der Landung auch über sie hereinbrechen würde, so hat es Aldrin erzählt. Sie hieß Moon mit Geburtsnamen, Marion Moon. Alan Bean, vierter Mann auf dem Mond, war Künstler. Wie ein Besessener hat er den Mond gemalt, immer wieder den Mond.

Dem Mond nahe zu kommen, aber nicht zu nahe… Vielleicht ist das das Geheimnis.  Michael Collins´ Leben auf der Erde war geordneter als das von anderen Mondmännern, skandalfreier, eine Zeit lang arbeitete er für das Außenministerium, danach war er selbstständig, er redete oft über den Mond, aber hätte sich gewünscht, dass lieber andere über den Mond reden. „Ich denke, bei einem künftigen Flug sollten ein Dichter, ein Priester und ein Philosoph an Bord sein. Wir könnten so eine viel bessere Vorstellung davon bekommen, was wir gesehen haben.“ In einem Interview hat Michael Collins, der Geerdete, 2009 gesagt: „Schreibt ´glücklich´ auf meinen Grabstein.“

Gott segne Sie. Und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

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