Corona Newsletter

Corona trotzen II, 184

Corona trotzen II, 184 / Siebter Ostersonntag, 16. Mai 2021.

Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde!

„Ich kann das Absolute nicht beschreiben. Und trotzdem. Trotzdem bemühe ich mich immer wieder, einen Ausdruck dafür zu finden… Ich bemühe mich um das Finden von neuen Bildern, Symbolen… Aber da bleibt trotzdem eine Unzulänglichkeit. Unter dieser Unzulänglichkeit, über Gott reden zu können, leide ich.“

So hat es 1982 bei einem berühmten Radiogespräch Silja Walter formuliert, als sie mit ihrem agnostischen, der Religion entfremdeten Bruder Otto F. Walter, dem Chef des Walter-Verlags in Olten/Schweiz, über ihre ganz unterschiedlichen Lebenslinien, über die Familie und die Religion sprachen. Sie hatten sich 20 Jahre nicht mehr gesehen; denn Silja Walter, 1919 geboren, war 1948 in das kontemplative Benediktinerinnenkloster Fahr bei Zürich eingetreten, in dem sie, die dann Sr. Maria Hedwig hieß, 62 Jahre lang bis zu ihrem Tod 2011 blieb.

In den liturgischen Texten der Zeit vor Pfingsten taucht immer wieder das Thema „Abschied“, „Abwesenheit Christi“ auf. Deshalb heute ein Gedicht von 1985 aus dem Gedichtband „Feuertaube“, dessen Untertitel lautet: „Für meinen Bruder“. Es geht also um „negative Theologie“, um die Sehnsucht, glauben zu können, deren Erfüllung wohl das ganze Leben lang offen bleibt:

Abwesenheit ist
dein Wesen
darin finde ich dich
Die Nägel
meiner Sehnsucht
bluten vom Kratzen
an den Eismeeren
der Welt
Verkohlt ist die Sucht
meiner Suche
in seiner Kälte
Aber da bist du
darin
seit das Kind schrie
bei den Schafen
und brennst
lichterloh
zu mir

Gott segne Sie. Und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

N.B.  

Die dritte Corona-Welle ist gebrochen“, heißt es in den Medien. Aber zugleich immer: „Wir müssen vorsichtig bleiben“. Das heißt für unseren Newsletter: sein Ende ist nahe, aber noch nicht gleich. Und was könnte für dessen Zielpunkt treffender sein als Pfingsten – das große Fest des neuen, hoffnungsvollen Anfangs.

Mit anderen Worten: am kommenden Samstag, hören wir auf, „Corona zu trotzen“ und freuen uns auf andere Zeiten. Ungeachtet jener eher pessimistischen Lebenserfahrung, die Karl Valentin so ausgedrückt hat: „Über kurz oder lang kann das nimmer länger so weitergehen, außer es dauert noch länger, dann kann man nur sagen, es braucht halt alles seine Zeit, und Zeit wär’s, dass es bald anders wird.“

 

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