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Corona trotzen II, 188

Corona trotzen II, 188 / Donnerstag, 20. Mai 2021.

Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde!

Breviario laico, 20 maggio – Io sono Ciro / Ich bin Kyros

Für den heutigen Gedanken greift Kardinal Ravasi zurück auf eine persönliche Erfahrung vor etlichen Jahrzehnten auf der persischen Hochebene in der Nähe des Ortes Pasargadae vor dem mächtigen Grabmal des persischen Königs Kyros II. (580 – 530 v.Chr.). Es ist jener Herrscher, der nach der Eroberung Babylons die Juden, die seit der Zerstörung Jerusalems unter Nebukadnezar dort in der Verbannung lebten, wieder in ihre Heimat zurückkehren ließ. Er wird deshalb im Alten Testament sogar als „Erwählter des Herrn“ bezeichnet. Den berühmtesten Text dazu bietet das 45. Kapitel im Buch Jesaja. An ihn erinnert sich der Kardinal, als er langsam die großen Stufen hinaufschreitet:

1         So spricht der HERR zu seinem Gesalbten, zu Kyrus: Ich habe ihn an seiner rechten Hand gefasst, um ihm Nationen zu unterwerfen; Könige entwaffne ich, um ihm Türen zu öffnen und kein Tor verschlossen zu halten:

2         Ich selbst gehe vor dir her und ebne Ringmauern ein. Ich zertrümmere bronzene Tore und zerschlage eiserne Riegel.

3         Ich gebe dir verborgene Schätze und Reichtümer, die im Dunkel versteckt sind. So sollst du erkennen, dass ich der HERR bin, der dich bei deinem Namen ruft, ich, Israels Gott.

4         Um meines Knechtes Jakob willen, um Israels, meines Erwählten, willen habe ich dich bei deinem Namen gerufen; ich habe dir einen Ehrennamen gegeben, ohne dass du mich kanntest.

5         Ich bin der HERR und sonst niemand; außer mir gibt es keinen Gott. Ich habe dir den Gürtel angelegt, ohne dass du mich kanntest,

6         damit man vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang erkennt, dass es außer mir keinen Gott gibt. Ich bin der HERR und sonst niemand.

7         Der das Licht formt und das Dunkel erschafft, der das Heil macht und das Unheil erschafft,/ ich bin der HERR, der all dies macht.

8         Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen. Ich, der HERR, erschaffe es.

Nicht nur wegen seiner Religionstoleranz, sondern wegen seines Regierungsstils und seiner politischen Erfolge gilt Kyros bis heute als das Idealbild eines Herrschers. Nicht umsonst wurde ihm der Beinamen „Kyros der Große“ gegeben. Und dann, im Innern des Grabmals, liest man, berichtet der Kardinal, über dem Sarkophag folgende Inschrift:

„O Mensch, wer du auch seist, und von welchem Ort du auch kommen magst: Ich bin Kyros, Herr über viele Könige und viele Reiche. Neide mir nicht diese meine irdische Macht. Denn Staub war ich und zu Staub bin ich zurückgekehrt.“

Was bleibt von mir, was bleibt von uns? Dem Kardinal hilft, dass er an Psalm 16, Vers 10 denken kann: „Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen.

Gott segne Sie. Und bis morgen,
Ihr
Florian Schuller

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