Corona Newsletter

Corona trotzen 18

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Für den Karfreitag kein Kreuzigungsbild, sondern ein paar Stationen vorher in der Passionsgeschichte: „Ecce homo“. „Seht, der Mensch“. Die Szene kommt nur im Johannesevangelium vor (Joh 19, 5). Wenn deshalb der Evangelist den Statthalter Pilatus diesen Satz sagen lässt, muss man unterscheiden zwischen dem, was Pilatus nach Johannes gemeint haben könnte, und welchen tieferen Sinn der Evangelist selber bekennen will. Bei Pilatus könnte der Ruf bedeuten: „Da habt ihr ihn, euren Menschen, den ihr tot haben wollt, diese Jammergestalt.“ Aber für Johannes heißt es wohl: „Seht, der entwürdigte Mensch. Er ist der König der Wahrheit, gerade jetzt, in seiner tiefsten Erniedrigung.“ Gleichwie in welche Richtung weitergedacht wird: zum „Ecce homo“ gehört als Widerpart der Statthalter Pontius Pilatus – jene Person, die seltsamerweise neben Maria – als einzige Eingang in das christliche Glaubensbekenntnis gefunden hat. Kein Petrus, kein Paulus, erst recht kein Joseph kommen darin vor.

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Corona trotzen 17

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Am Gründonnerstag ein ganz klares, einfach strukturiertes Bild: „Verrat des Petrus“. Es gehört in den Zyklus der sogenannten „Eggisrieder Passion“ von Erich schickling. Der Apostel, der Hahn und am Eingang des Raums, in dem Jesus verhört wird, die Magd (nach dem Evangelisten Johannes war es die Pförtnerin). Mann, Frau, Tier, die Mauern Jerusalems – mit vier klaren bildlichen Kürzeln wird die völlige Einsamkeit Jesu inmitten der Welt beschrieben. Wir kennen die Geschichte. Jedem werden eigene Gedanken dazu kommen.

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Corona trotzen 16

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Heute ein ganz anderes Bild Erich Schicklings: „Labyrinth“. Es handelt natürlich vom antiken griechischen Mythos über Theseus, den Königssohn aus Athen. Entstanden ist diese Erzählung wohl zu einer Zeit, als die große Mittelmeerkultur der Insel Kreta aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus bereits untergegangen war, und nur mehr die riesigen Ruinen des alten Inselzentrums standen. Sie gaben den Impuls, von einem Labyrinth zu erzählen. In dessen Mitte wohnt der Stiermensch Minotauros und will Menschenfleisch, nämlich alle neun Jahre sieben junge Männer und sieben junge Frauen aus der Stadt Athen. Der Athener Königssohn Theseus reiht sich in diese Schar ein, geht durch das Labyrinth bis zur Mitte, erschlägt dort den Minotauros, und – das war die zweite große Herausforderung – findet auch wieder heraus, weil sich die kretische Königstochter Ariadne in ihn verliebt hat und auf die Idee mit dem Faden gekommen war, den Theseus hinter sich abspult und beim Zurückgehen wieder aufnimmt.

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Corona trotzen 15

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Heute sind es die „Apokalyptischen Reiter“ des Malers Erich Schickling, die ich Ihnen nahebringen will. Man kennt sie ja aus dem letzten Buch der Bibel, der sogenannten „Offenbarung des Johannes“ Im sechsten Kapitel heißt es da (Verse 1 – 8):

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Corona trotzen 14

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Diese Bild Erich Schicklings heißt „Vision des Franziskus“. Was wir uns in der Karwoche in Texten, Gebeten und Liedern liturgisch bewusst machen, hat nach der Überlieferung Franz von Assisi bis in die Tiefe der Existenz verwirklicht. Dafür steht seine sogenannte „Stigmatisierung“ auf dem Berg La Verna in der Toscana (für mich einer der schönsten Orte ganz Italiens). Es war jene Nacht, in der nach der Überlieferung Franziskus die Wundmale Jesu erhielt. Nietzsche meinte zwar, „im Grunde gab es nur einen Christen, und der starb am Kreuz“. Aber immerhin hat der mehr als kirchenkritische österreichische Schriftsteller Adolf Holl Franz von Assisi  den „letzten Christen“ genannt. Ich will deshalb dieses Bild an den Beginn der Karwoche stellen. Sehr wahrscheinlich wird keiner von uns das Leiden Jesu von Gründonnerstag bis Karsamstag so radikal in sich eindringen lassen können, wie es Franz von Assisi, der Christusliebende schlechthin, getan hat. Aber die Sehnsucht bleibt.

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Corona trotzen 13

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Heute Vormittag hat wohl jeder von Ihnen, gleichwo und gleichwie, den Beginn der Heiligen Woche bewusst für sich wahrgenommen. Mit wahrscheinlich doch etlichen von Ihnen direkt live verbunden, haben wir den Straßberger Palmsonntagsgottesdienst gefeiert; zur Spitzenzeit waren es sogar 144 Personen, die gleichzeitig online dabei waren, und im Schnitt 60 bis 80. Danke für die Treue! Und mit Ihnen allen darf ich jetzt auch diesen Impuls teilen. Denn diese Woche ist für Christinnen und Christen die entscheidende Woche des ganzen Jahres. Es ist wichtig, sich ihr zu stellen.

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Corona trotzen 12

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Zunächst zwei Todesnachrichten: Heute Vormittag ist Pfarrer i.R. Josef Viertl in Ottmaring gestorben. Von 1977 bis 1987 war er unser Pfarrer in Straßberg, der Siedlung und Reinhartshausen. Ich denke gerne und mit großer Dankbarkeit an sein liebenswürdiges, bescheidenes Auftreten. Als ich 1983 mit meiner Mutter hierher zog, nahm er mich sehr mitbrüderlich auf und integrierte mich in die Pfarrseelsorge. Für die drei Pfarreien hat er viel Gutes getan. Gott möge ihm sein Wirken vergelten.

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Corona trotzen 11

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Für heute hatte ich mir eigentlich einen anderen Gedanken vorgenommen. Aber dann fand ich bei der morgendlichen Lektüre der „Schwabmünchner Allgemeinen“ einen Artikel auf Seite 2 so toll, dass ich mir gedacht habe: den schicke ich den Nichtabonnenten unserer Heimatzeitung zum Lesen und deren Abonnenten zum Wiederlesen. In der Serie an dieser Stelle berichten nämlich Redakteure der AZ über Ihre Erfahrungen dieser Wochen. Heute war Julius Müller-Meinigen dran; er ist der Auslandsreporter in Rom, und ich schätze seine Artikel sehr. Einfach gut, der Mann.

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Corona trotzen 10

Liebe Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Waren Ihnen meine Gedanken gestern und vorgestern zu pessimistisch? Jene Gedanken zur Einsamkeit in der Welt, die mich umgibt, und die ich nicht beherrschen kann, aber auch die Einsamkeit im Glauben. Manchmal, wenn ich solche Erfahrungen im Gespräch mit anderen andeute, spüre ich fast etwas Angst, sich damit auseinanderzusetzen. Für mich drückt sich darin nur und vor allem die große Herausforderung aus, der wir uns als Christen nüchtern stellen müssen.

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