Corona Newsletter

Corona trotzen II, 151

Corona trotzen II, 151 / Dienstag, 13. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Heute stelle ich Ihnen und Euch eine kleine Rätselaufgabe als abendliche Ausgleichsbeschäftigung (wenn mehrere in der Familie den Text lesen, kann man ja einen Wettbewerb daraus machen). Ausgangspunkt: ein sehr bekannter liturgischer Osterhymnus aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Genau in der Mitte der sieben Strophen des Hymnus (die letzte, achte Strophe ist eine Zugabe späterer Zeit), in Strophe 4 also, wird das Thema formuliert: „Christus, unser Osterlamm“. Was mich an diesem Hymnus fasziniert, ist nun die Art und Weise, wie unter dem Bild des „Osterlammes“ das Erlösungsgeschehen Jesu präsentiert wird: nicht in einer logisch-rationalen Abfolge von Argumenten, sondern in einem fast schon wilden, aberwitzigen Hin- und Herspringen zwischen ganz unterschiedlichen Deutungs-, Text- und Bildebenen: Der Exodus Israels im AT, Szenen von Passion und Auferstehung, andere neutestamentliche Bibelstellen, theologische Begrifflichkeiten, aber genauso das konkrete Feiern der Gemeinde, die den Hymnus singt. Das führt in fast jeder Zeile zu neuen Assoziationen und ruft immer neu andere Bilder wach. Allein schon das Wort „Osterlamm“ weist ja in ganz unterschiedliche Richtungen.

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Corona trotzen II, 150

Corona trotzen II, 150 / Montag, 12. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Zwei Wochen vor Ostern starb der polnische Lyriker Adam Zagajewski. Geboren 1945 im damals noch polnischen Lemberg, wurde er, als dieser Teil Polens von der UdSSR okkupiert wurde, mit seiner Familie vertrieben nach Gleiwitz, aus dem ihrerseits die Deutschen vertrieben worden waren – ein Lebenszeuge der „Westverschiebung Polens“, Konsequenz jenes unbegreiflichen Wahnsinns „Zweiter Weltkrieg“. Er studierte in Krakau, gehörte 1968 zu den kritischen Intellektuellen und emigrierte 1979 nach Frankreich und in die USA. Nach der Wende kehrte er nach Krakau zurück, wo er nun am 21. März gestorben ist.

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Corona trotzen II, 149

Corona trotzen II, 149 / Weißer Sonntag, 11. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Irgendwann und irgendwie werden sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin einigen, um zu überlegen, wie es mit dem Lockdown weitergehen soll (hoffentlich ohne die föderale Grundstruktur Deutschlands deshalb fundamental zu verändern, in Richtung Zentralismus). Die Aussichten sind eher etwas herb (bei beiden Themen). Also, wagen wir gemeinsam einen kleinen neuen Anfang.

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Corona trotzen II, 148

Corona trotzen II, 148 / Ostersonntag, 4. April 2021. „Am Sonntag, freu dich, o Mutter mein, / da trete ich über des Grabes Stein und trag ein Kreuz in meiner Hand, / das leuchtet Glorie über alles Land.“ Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Ihnen und Euch ein gesegnetes Osterfest – verbunden mit jener Hoffnung, dass die Schöpfung, unser Leben, wir alle von einem Jenseits umgeben und gehalten werden, dem wir vertrauen dürfen.

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Corona trotzen II, 147

Corona trotzen II, 147 / Karsamstag, 3. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Ach Sohn, du liebster Jesu mein, / was wirst du am heiligen Samstag sein? „Am Samstag bin ich ein Weizenkorn, / das in der Erde wird neugeborn.“

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Corona trotzen II, 146

Corona trotzen II, 146 / Karfreitag, 2. März 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Ach Sohn, du liebster Jesu mein, / was wirst du am heiligen Freitag sein? „Ach Mutter, ach liebste Mutter mein, könnt dir der Freitag verborgen sein!“

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Corona trotzen II, 145

Corona trotzen II, 145 / Gründonnerstag, 1. April 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Ach Sohn, du liebster Jesu mein, / was wirst du am heiligen Donnerstag sein? „Am Donnerstag bin ich im Speisesaal / das Opferlamm bei dem Abendmahl.“

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Corona trotzen II, 144

Corona trotzen II, 144 / Mittwoch der Karwoche, 31. März 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Ach Sohn, du liebster Jesu mein, / was wirst du am heiligen Mittwoch sein? „Am Mittwoch bin ich gar arm und gering, / verkauft um dreißig Silberling.“

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Corona trotzen II, 143

Corona trotzen II, 143 / Dienstag der Karwoche, 30. März 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Ach Sohn, du liebster Jesu mein, / was wirst du am heiligen Dienstag sein? „Am Dienstag bin ich der Welt ein Prophet, / verkünde, wie Himmel und Erde vergeht.“ Neben Hans Holbein dem Älteren will ich als unseren Karwochen-Impulsgeber Venantius Fortunatus (535 – nach 600) treten lassen. In Treviso geboren, reist er viel durch Mitteleuropa; übrigens hat er dabei auch als erster von der Verehrung einer heiligen Afra in Augsburg berichtet. In Poitiers tritt er in den Dienst der merowingischen Königin Radegundis und wird schließlich dort Bischof. Als die Königin vom byzantinischen Kaiser eine Kreuzreliquie erhält, schreibt er für die Festprozession zum Einzug der Reliquie die dafür erforderlichen Hymnen. Sie sind im Versmaß der alten römischen Soldatenlieder verfasst, also echte Marschgesänge einer straff organisierten Prozession. Die damalige Prozession mit der Kreuzreliquie war übrigens der Anstoß für die Form der Kreuzverehrung, wie sie sich bis heute beim Gottesdienst am Karfreitag gehalten hat (allerdings geht es bei uns weniger militärisch zu…). Der erste Hymnus beginnt mit „Pange, lingua“. Diese Anfangsworte kennen sicher die meisten, allerdings von einem eucharistischen Lied; denn über 100 verschiedene Hymnen des Mittelalters haben den mächtigen Auftakt des Venantius übernommen.

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Corona trotzen II, 142

Corona trotzen II, 142 / Montag der Karwoche, 29. März 2021. Sehr verehrte Straßbergerinnen und Straßberger, liebe Freundinnen und Freunde! Ach Sohn, liebster Jesus mein, was wirst du am heiligen Montag sein? „Am Montag bin ich ein Wandersmann, der nirgends ein Obdach finden kann.“ Ab heute begleitet also die sogenannte „Graue Passion“ von Hans Holbein dem Älteren unser Bedenken des „Wandermanns, der nirgends ein Obdach finden kann“ durch die Karwoche bis zum Ostersonntag. Die „Graue Passion“ heißt so, weil sich Holbein bei der Werktagseite des Altars farblich stark reduziert auf Grautöne beschränkt, was Gesichter und Hände um so kräftiger hervortreten lässt:

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